Startseite
Bücher
CDs
Presseecho
Über uns
Kontakt/Links
Impressum
 

-

Vimalakirti

Das Sutra von der unvorstellbaren Befreiung

Gebunden, 270 Seiten
ISBN 978-3-929447-22-4
Euro [D] 29,50 / Euro [A] 30,40 / sFr 50,50

Kurzbeschreibung

Vimalakirti lautet der Name eines buddhistischen Laienanhängers, der so hoch verwirklicht war, dass er sogar den Bodhisattva der Weisheit „besiegte“.

Im vorliegenden Sutra erkrankt er – aber nur, um seinen Besuchern den Dharma darlegen zu können. Dieser Erzählrahmen bildet den Hintergrund, auf dem mit viel Witz und Lebendigkeit, Tiefgang und unglaublichen Wundern die Ideale des Mahayana nahe gebracht werden: Leerheit, Nicht-Dualität und aktives Mitgefühl zum Wohl aller Wesen.

Grundlage für diese Ausgabe ist eine alte Übersetzung aus dem Japanischen von Jakob Fischer, die unter Berücksichtung verschiedener anderer Übersetzungen überarbeitet und mit ausführlichen Anmerkungen versehen wurde. Zum besseren Verständnis des Sutras und seiner Hintergründe enthält dieser Band auch eine umfassende Einführung sowie ein Glossar.

Inhaltsverzeichnis

Hinweise zur Schreibweise und Aussprache, Vorwort
EINFÜHRUNG

  • Handlung des Sutras und Kapitelübersicht Name, Entstehungszeit und Historizität
  • Übersetzungen und Kommentare
  • Vimalakirti und die Lehrinhalte des Mahayana
  • Wichtige im Sutra vorkommende Themen
  • Abschließende Bemerkung

VIMALAKIRTI – DAS SUTRA VON DER UNVORSTELLBAREN BEFREIUNG
  • Im Lande des Buddha
  • Die Lehrmethode der Befreiung
  • Die Schüler des Buddha bewundern Vimalakirti
  • Die Bodhisattvas bewundern Vimalakirti
  • Mandschuschris (Mañjusris) Krankenbesuch bei Vimalakirti
  • Die Wunder
  • Über die Wesen
  • Der Weg des Buddha
  • Das Tor zur Nicht-Zweiheit
  • Der Buddha Gandhakuta
  • Über das Handeln eines Bodhisattvas
  • Das Schauen des Buddha Akschobhya (Aksobhya)
  • Lobpreis und Nutzen dieses Sutras
  • Die Übergabe des Sutras
Anmerkungen,Glossar, Literaturverzeichnis

Leseprobe

1) Zu jener Zeit lebte in der großen Stadt Vaischali ein reicher und angesehener Mann, ein Licchavi namens Vimalakirti. Schon in früheren Zeiten verehrte er zahllose Buddhas und tat viel Gutes. Er hatte dadurch das geduldige Akzeptieren des Nicht-Entstehens aller dharmas erlangt und erfreute sich einer ausgezeichneten Redefertigkeit.

Da ließ Vimalakirti aus Geschick bei der Wahl der Mittel zur Befreiung der Menschen eine Krankheit über sich kommen, und bald hieß es, Vimalakirti sei erkrankt. Und die Könige und die hohen Minister und die Reichen und die Laienanhänger und der brahmanische Adel und alle Prinzen und die Beamten und andere, wohl einige Tausende, sie alle kamen, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Vimalakirti benutzte diese gute Gelegenheit, um alle, die ihn besuchten, zu belehren, indem er die Krankheit selbst zum Unterhaltungsthema nahm: „Meine Verehrten, der menschliche Leib ist von Natur aus ein sehr vergängliches, schwaches und gebrechliches Ding, das sehr schnell verwest. Es ist kein Verlass auf diesen Leib.

Dieser Körper ist ohne Besitzer, wie die Erde. Im Körper befindet sich kein Ich (kein beständiges Selbst), wie bei der Flamme des Feuers. In ihm ist kein Leben, wie beim sausenden und brausenden Wind. In ihm wohnt keine fortdauernde Persönlichkeit, wie beim dahin fließenden Wasser. Dieser Leib ist nicht echt. Die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer und Wind) haben nur vorübergehend in ihm Wohnung genommen. Er ist leer, da er frei von „ich“ und „mein“ ist. Er besitzt kein Empfinden und keine Wahrnehmung, genau wie Pflanzen oder Schutthaufen. Er vermag nicht von sich aus zu handeln, sondern wird wie vom Wind (d.h. von anderen Kräften) hin und her geworfen. Er ist unrein und voll von Abscheulichem. Er ist voller Falschheit, und obwohl man ihn badet, kleidet oder nährt, so wird er dennoch am Ende vergehen. Dieser Körper ist die Quelle allen Unglücks und der Sitz von hundertundeiner Krankheit. Er ist wie ein ausgetrockneter Brunnen, da von Alter und Tod verfolgt. Nichts ist sicher an ihm, als das eine, dass er einmal sterben muss. Er ist wie eine Giftschlange, wie ein Räuber, wie ein menschenleeres Dorf und er ist seelisch und körperlich nichts anderes als eine Zusammensetzung der fünf skandhas, achtzehn dhatus und zwölf ayatanas.“

2) Zu jener Zeit dachte Vimalakirti Folgendes bei sich selber: „Da ich nun krank daniederliege, wie kommt es, dass der allbarmherzige Buddha kein Mitleid mit mir hat und niemanden schickt, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen.“ Buddha, der Vimalakirtis Wunsch kannte, sagte zu Schariputra: „Gehe zu Vimalakirti und erkundige dich nach seinem Befinden!“ Sariputra aber erwiderte: „Meister, ich kann mich nicht dazu entschließen, weil ich folgendes Erlebnis mit Vimalakirti nicht vergessen kann. Vor ziemlich langer Zeit saß ich meditierend unter einem Baum im Wald. Da kam Vimalakirti daher und sprach mich an: ‚Diese Art des Sitzens ist nicht unbedingt die angemessene Methode des Meditierens. Was heißt denn eigentlich meditieren? Es heißt, Körper und Geist nicht in den drei Welten offenbaren. Von der Meditation, die zum Erlöschen führt, nicht aufstehen und sich dennoch würdevoll (dem Volk) zeigen, das ist der richtige Weg der Meditation. Den Weg der Lehre nicht verlassen, sich aber dennoch als gewöhnlicher Mensch benehmen, das ist der rechte Weg der Meditation. Seinen Geist weder innerhalb noch außerhalb seiner selbst wohnen zu lassen (das heißt, die innere Ruhe von Herz und Geist nicht aufgeben und dennoch seinen weltlichen Geschäften nachgehen), das ist der richtige Weg der Meditation. Ohne sich durch alle möglichen irrigen Auffassungen beeinflussen zu lassen, den siebenunddreißigfachen Erleuchtungsweg gehen, das ist Meditation. Sich nicht von allen weltlichen Leidenschaften lösen und trotzdem ins Nirvana eingehen, das ist wahre Meditation. Wenn wir auf diese Weise die richtige Meditation üben, wird das die Zustimmung des Buddha finden.‘

3) … Schariputra fragte: „Warum verwandelst du deine Frauengestalt nicht in die eines Mannes?“Das himmlische Mädchen erwiderte: „Während der vergangenen zwölf Jahre habe ich vergeblich meine weibliche Form gesucht, konnte sie aber nicht finden, was soll ich da verwandeln? Das wäre ja genauso, als wenn ein Zauberer eine weibliche Gestalt hervorzaubern und jemand diese fragen würde, warum sie sich nicht in die Gestalt eines Mannes verwandle. Würde eine solche Frage berechtigt sein oder nicht?“ Schariputra erwiderte: „Nein! Das Phantom hat keinen wirklichen Körper. Wie könnte es sich da verwandeln?“ Das Mädchen antwortete: „So sind auch alle Dinge, sie haben nicht wirklich eine Gestalt. Warum also fragst du mich, warum ich meine Frauengestalt nicht verwandle?“ Nachdem sie so gesprochen hatte, verwandelte sie plötzlich mit Hilfe ihrer übernatürlichen Kraft Schariputra in ihre eigene, sich selbst aber in die Gestalt von Schariputra und fragte ihn: „Warum verwandelst du deine Frauengestalt nicht?“ Schariputra, in der Gestalt des himmlischen Mädchens, erwiderte: „Ich weiß nicht, warum ich in ein Mädchen verwandelt worden bin.“ Darauf sie: „O Schariputra, wenn du deine jetzige Frauengestalt verändern könntest, dann könnten sich alle Frauen verwandeln. Genau wie du jetzt, der du keine Frau bist, in der Gestalt einer Frau erscheinst, so ist es auch mit allen anderen Frauen; sie scheinen Frauen zu sein, sind es aber in Wirklichkeit nicht. Deshalb sagt ja auch Buddha: Alle Dinge sind weder männlich noch weiblich.“Dann hob das Mädchen die Wirkung ihrer übernatürlichen Kraft auf, und Schariputra erhielt wieder seine vorige Gestalt. Das Mädchen fragte dann: „Nun, wo ist denn jetzt deine Frauengestalt?“ Schariputra: „Weder existiert die Gestalt einer Frau, noch existiert sie nicht.“ Das Mädchen: „Und so ist es mit allen Dingen; sie existieren und existieren auch nicht. Und das ist es, was der Buddha lehrt, nämlich dass die Dinge weder existieren noch nicht existieren.“